was alles so geschieht und geschehen wird

Print Friendly, PDF & Email

Die Zeit vergeht so schnell und der schöne aber heiße Sommer ist vorbei. Die Bäume biegen sich unter der Äpfellast und ich kann von meinem Schreibtisch aus beobahten, wie Rehe aufs Grundstück kommen und an den Äpfeln naschen, ich höre die Kraniche schreien und sehe wie sie sich auf den großen Feldern sammeln und ich bewundere die Eleganz der Staren-Wolken, tausende der kleinen schwarzen Vögelchen gleiten in wunderschönen Formationen durch die Lüfte. Die Schwalben sausen ab und an im Garten herum und die Fledermäuse sind noch nicht im Schuppen oder unter dem Dach verschwunden, abends sausen auch sie vor meinem Fenster hin und her.

Warum ich das schreibe? Weil ich das alles von meinem Schreibtisch aus beobachten kann. Ich sitze nicht auf der Terrasse in spätsommerlicher Wärme oder strickend im Sessel, ich sitze am Schreibtisch. Repariere Webseiten, probiere neue WordPress-Möglichkeiten und -Techniken  aus und wälze Projektideen. Gleichzeitig muss ich im Rahmen der lokalen EU-Förderung LEADER Projektanträge bewerten und mir eine Meinung zu den Kandidaten für die Kulturpreise des Landes MV bilden.

Ich habe für Uschi Brühl die Webseite Stricktiger.de gestaltet; Uschi bereist Märkte im Westerwald und in der Eifel und bietet feine Garne - schöne Dinge an. Ich kenne sie von den Craft Camps in Estland und schätze sie sehr.
Sie ist auf der Suche nach besonderen Garnen und hat deshalb auch Garn aus dem Baltikum im Programm. Die Webseite soll einen Überblick über ihr stetig wachsendes Angebot geben und die Termine,  wann man sie wo antreffen kann, aufzeigen.

Eine feine Sache!

Und dann gibt es noch die Wollmacht. Eine Seite, die ich zum Geburtstag geschenkt bekommen habe und mit der ich nun etwas anfangen "muss". Ich habe ja die Wockensolle.de, was also nun mit der Wollmacht.de anfangen? Ich finde den Namen Wollmacht großartig, ein schönes Wortspiel.

Also habe ich mich drangesetzt und ein kleines Konzept entworfen. Die Wollmacht wird ein Sammelbecken werden für die Dinge, Beiträge, Filme etc., die ich hier auf der Wockensolle nicht so unterbringe, die hier vielleicht untergingen.

Ich möchte die Webseite wie ein Archiv für Publikationen, Filme, Anleitungen, Downloads nutzen und habe schon ein wenig Inhalt eingebunden.

Ich habe eine große Leseliste bei ISSUU.com zu den unterschiedlichsten Themen und habe schon einige Ausgaben des britischen Magazins Selvedge zu den Textil-Themen Stricken, alterslos, Ethnographie etc. eingebunden. Weitere Themen folgen. Es gibt ja so viele davon!

Ja, und dann plane ich. Ideen schwirren durch den Kopf, werden überprüft, verworfen, wieder aufgenommen und ich habe schon einen richtigen Plan zusammen.

  • Wofür? Für eine Themenwoche mit Vorträgen, Workshops, Konzert und Exkursion.
  • Wo? In Wol(l)gast am Peenestrom.
  • Wann? Im nächsten Frühjahr, wohl im März
  • wieviel Teilnehmer? Ich rechne mit 20 Teilnehmer(inne)n und wohl 6 Referentinnen...
  • und?

Ja, jetzt geht es erstmal ans Antragsschreiben.Themen gibts genug, Zusagen von Referentinnen habe ich schon, jetzt geht es an die Anträge. Wenn alles konkreter und sicherer ist, werde ich hier natürlich berichten und informieren.

  • Das Thema? Wer mich kennt kann sich das schon denken ;=)

Ja, und dann werde ich am Wochenende zum ersten Mal die Handarbeitsbörse in Neubrandenburg besuchen, eine Kreativ-Messe mit rund 100 Ausstellern.

Die 23. Ausstellung für textile Kunst und Handarbeit findet statt am  Sonnabend., 22.09.2018 (10.00 - 18.00 Uhr) und Sonntag,  23.09.2018 (10.00 - 17.00 Uhr) im  Jahnsportforum  Neubrandenburg.

Das Thema?

Stylisch  Nordisch

  •  Skandinavisches Design in klaren Formen,
  • Farben und Funktionalität, traditionell oder auch zeitgemäß
  • Arbeiten mit skandinavischen Mustern (Fair Isle, Island- und Norwegermuster)
  • Skandinavische Stoffideen: schlicht, sanft, geradlinig und flexibel
  • Hardanger Sticktechnik
  • Eine Welt in Blau und Weiß, Steinfarben, Holz-und Erdtönen

Ich bin gespannt. Und werde berichten.

Das schönste Buch der letzten Zeit

Print Friendly, PDF & Email

Ich habe letztes Jahr ein Buch entdeckt,das mich fasziniert: Trachten (von Gregor Hohenberg)

Der Fotograf Gregor Hohenberg hat zusammen mit seiner Frau Annett Hohenberg mit unglaublicher Akribie über mehrere Jahre den Trachten in Deutschland nachgespürt und sie ausführlich dokumentiert. Wunderschöne Fotografien zeigen auf jeweils einer ganzen Seite des wirklich großformatigen Buches Menschen in ihren Trachten - mit atemberaubender Ästhetik.

5 Jahre waren sie dazu unterwegs in 22 Regionen Deutschlands!

 

Gregor Hohenberg: Trachten

Gebundene Ausgabe: 320 Seiten
Verlag: Die Gestalten Verlag; Auflage: 1. (16. April 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 389955566X
ISBN-13: 978-3899555660
Größe und/oder Gewicht: 25,5 x 3,2 x 33,8 cm
PS: der Link führt zu Amazon.de

Gregor Hohenberg: Traditional Couture: Folkloric Heritage Costumes

Gebundene Ausgabe: 304 Seiten
Verlag: Gestalten; Auflage: 1. (3. Juni 2015)
Sprache: Englisch
ISBN-10: 3899555724
ISBN-13: 978-3899555721
Größe und/oder Gewicht: 25,2 x 3,2 x 33,7 cm
PS: this link links to amazon.com

 

Klappentext:

Trachten stehen für Heimat, Tradition, Handwerk. In der Konsequenz und Kreativität ihrer Ausführung sind sie Inspiration für die High-Fashion-Designer von heute und morgen. Trachten sind im Grunde genommen Haute Couture: hochwertige Materialien, aufwendige Verarbeitung, kostbares Kulturgut und stilbewusstes Statement. Eine überraschende Vielfalt an Kleidungsstücken repräsentiert handwerkliche Höchstleistung, Traditionsbewusstsein, Zugehörigkeit und Heimatverbundenheit. Gleichzeitig inspirieren Trachten die anspruchsvollsten und radikalsten Modemacher von heute und morgen.

Den visuellen Brückenschlag von verstaubt zu Avantgarde leistet jetzt der Fotograf Gregor Hohenberg mit seinem Buch Trachten. Er porträtiert zum einen die Menschen alte und junge gleichermaßen , die Trachten tragen, sowie zum anderen ihr Lebensumfeld in allen Regionen Deutschlands. Darüber hinaus zeigt er die besonderen Kleidungsstücke in ihren perfekten Details: Perlen, Säume, Stickerei, Materialien und Farben jenseits der saisonalen Effekte der Modeindustrie.

Es ist eine fotografische Reise mit einem fast unüberschaubaren Reichtum an visuellen Zeichen und stilistischen Inspirationen.
Dabei überrascht sowohl die Leichtigkeit als auch die Würde, mit der Trachten hier gezeigt und getragen werden. Die Tracht verändert die Haltung, verleiht Ausstrahlung, trifft ein Statement.

Hier findet sich kein Musikantenstadl, kein ­folkloristischer Kitsch, vielmehr ein entspanntes Selbst­bewusstsein, eine Leidenschaft für die besondere Garderobe zum besonderen Moment.

In kaum einer anderen Kleidung verdichten sich die Biografie des Trägers und seiner Region in vergleichbarer Art. Trachten hat man fürs Leben. Trachten werden vererbt. Manche der aufwendigen Details sind heute kaum mehr anzufertigen. Schneider, die diese Kunst noch beherrschen, sind gesucht, weit über regionale Grenzen hinaus.
Das Trachtenhandwerk verbindet. Diese besondere Qualität, diese Identität und Intensität sind es, die Modemacher anregen, ihre eigenen Kollektionen neu und anders zu denken. Während gerade große Modemarken noch auf weltumspannende, schnelllebige Trends setzen, schaffen immer mehr kleine Manufakturen Kleidungsstücke, die bleiben: ­Erbstücke statt Wegwerf-T-Shirts.
Das Buch erscheint in deutscher und englischer Sprache.

Covertext:

Traditional clothing represents the regions where it is produced along with their cultures and handcraft. Its creativity and longevity is inspiring high fashion designers of today and tomorrow.
Traditional clothing is essentially haute couture. Made with high quality fabrics and elaborate workmanship, it embodies cultural heritage and style. Encompassing a surprising variety of garments, it represents premioum handcraft, an awareness of tradition, a sense of belonging, and an affinity to one's homeland. At the same time, folkloric clothing is inspriing some of today and tomorrow's most ambitious and radical fashion designers.

In Traditional Couture, photographer Gregor Hohenberg succeeds in building a visual bridge between the outmoded and the avant-garde in German folkloric fashion. He portrays the individuals, young and old alike, who wear traditional attire in all the regions of his homeland, as well as their surroundings. Furthermore, he depicts the distinctive garments in all their glorious detail: pearls, seams, embroidery, and colors--all of which are completely unaffected by the seasonal influences of the fashion industry.

This book is a dazzling journey in pictures featuring an almost overwhelming abundance of visual symbols and stylistic inspiration.
At the same time, Traditional Couture captures the grace and dignity with which clothing is worn.
The book eschews kitschy German folklore to show how donning traditional dress can change one's composure, lend charisma, and make statement while providing a relaxed sense of self-confidence and feeding passion for special attire at special occassions.

There is simply no other clothing that represents the wearer's biography and region in quite the same way. Traditional German outfits are made to last a lifetime and handed down to future generations. Some of their details are so elaborately made that hardly anyone has the time or skill to create them today. Tailors that still master this art are in high demand far beyond regional borders.

Consequently, traditional clothing is a handcraft that connects people. The distinctive quality, identity, and intensity of the attire featured in Traditional Couture is inspiring fashion designers to rethink their collections in new directions. While giant fashion brands are surrendering to global, fast-lived trends, more and more small manufacturers are creating enduring garments: heirlooms instead of throw-away t-shirts.

 

Und jetzt noch ein ganz besonderer Knaller, der mich zum Einen freut und zum Anderen traurig macht:

Bei Jokers,de wird das Buch gerade als Restauflage für 14,99€ angeboten!

Ich finde es toll, weil dadurch mehr Menschen sich dieses wunderbare Buch leisten können und auch wiederum traurig weil die Autoren es nicht verdammt haben, daß dieses wunderbare Buch verramscht wird..

Trotzdem: Wenn meine Leser dieses Buch bei Jokers.de kaufen, kommt es in gute Hände!

 

Ein Auszug aus dem Puppenheim

Print Friendly, PDF & Email

Mit Auszug meine ich nicht den Exodus, sondern einen Text-Ausschnitt und ich bin gerade, angeregt durch einen Artikel im Norwegian Textile Letter, auf Henrik Ibsens Nora oder Ein Puppenheim gestossen. Ein interessantes Statement des Advokaten Helmer, das ich hier wiedergeben möchte:

So eingestreut zwischen Banalitäten, die die eigentliche Tragik verdecken, gibt der Herr des Hauses seine Meinung von sich. Diese Meinung überrascht uns nicht, ist er doch ein Chauvinist ersten Grades, aber das Chinesische, das verwundert schon..

Nun, dies zur Einführung in den Artikel Between Knit and Purl von Espen Søbye, im Norwegian Textile Letter, den ich ja schon einmal zitiert habe hier auf der Wockensolle und der immer sehr lesenswert ist.

Die Autorin bespricht den aktuellen Hype der Strickbücher (Klompelompe, Arne und Carlos und und und) und steltl dabei auch ein Buch vor, welches sich gegen das Stricken ausspricht und die gesellschaftliche Rolle des Strickens untersucht (im Gegensatz zu den anderen Büchern, in denen das perfekte Befolgen detailliertester Anweisungen als Kreativität verherrlicht wird),
Dieser Abschnitt steckt voller Denkanstöße und deshalb zitiere ich ihn hier. Und was das verehrte Paar Alva und Gunnar Myrdal da postuliert, sollten wir alle überdenken. Stimmt das?

Knitting and crochet were enterprise gone wrong. This energy should be used for something more practical for society and the individual.

Nachstehend der Auszug aus dem Artikel und Informationen zu dem Werk von A. und G. Myrdal findet man bei wikibooks..

Helmer.
Ach was, schon?... – Gehört Ihnen das Strickzeug da?

Frau Linde (nimmt es.)
Ja, danke schön. Beinahe hätte ich es vergessen.

Helmer.
Also, Sie stricken?

Frau Linde.
Ja freilich.

Helmer.
Wissen Sie was, Sie sollten lieber sticken.

Frau Linde.
So? Und weshalb?

Helmer.
Weil es viel hübscher aussieht. Sehen Sie nur: man hält die Stickerei mit der linken Hand, – so –, und mit der rechten führt man die Nadel – so – in leichtem, langgestrecktem Bogen; nicht wahr –?

Frau Linde.
Ja, das mag schon sein –

Helmer.
Das Stricken hingegen, – das kann nur unschön sein. Sehen Sie her: die zusammengeklemmten Arme, – die Stricknadeln, die auf und ab fahren, – das hat so was Chinesisches an sich. – Es war wirklich ein glänzender Champagner, den man uns vorgesetzt hat.

In dem Artikel springt mir noch eine Klassifizierung ins Auge:

 Sweden, Alva and Gunnar’s homeland of anti-knitting

Ich bin gespannt wie die aktuellen Wahlen in Schweden ausgehen, mit dem Untergang der Sozialdemokratie dort wird Stricken vielleicht noch stärker instrumentalisiert im Sinne von zurück an die Nadeln - zurück an den Herd!

Resistance against knitting. One of the books, Rett på tråden [Right on the Thread] differs from the others, not only with its slightly impudent title. In the introduction, sisters Birte and Margareth Sandvik quote the exchange of lines in A Doll’s House, where Torvald Helmer advises Mrs. Linde to set aside her knitting and take up embroidery instead, because knitting “can never be anything but ugly, “ “there’s something Chinese about it.”

Knitting has had several vocal opponents since Ibsen’s Torvald. In their book Crisis in the Population Question (1934), the married couple Alva and Gunnar Myrdal—both tone-setting Swedish social democrats, she winning the Nobel Peace Prize, he the Nobel prize for economics—were angered by the exaggerated petit bourgeois habits that had spread among the working class and minor civil servants. Family life in these classes was, according to the Myrdals, characterized by a fussy desire to entertain, an overly-ambitious interest in food and homemaking, with a penchant for public display. But it was, above all, women’s handwork that paid the price: “All this embroidery, this knitting, sewing, and lacemaking that has filled the walls and sofas, tables and shelves.”

Knitting became equated with a confined active mind and connected to married women’s having no right to work and the two-child family having become the norm.

Staying home with one or two children resulted in women’s having lots of free time—and presto, this is how Alva and Gunnar Myrdal explained the then-current knitting wave: Knitting and crochet were enterprise gone wrong. This energy should be used for something more practical for society and the individual.

At the end of the 20th and beginning of the 21st centuries, women are having even fewer children than did their grandmothers in the 1930s, and men’s and women’s lives have become almost exactly identical. The reduction in the number of childbirths is a major reason why the buxom female with broad hips and heaving breasts is no longer the ideal woman, instead the athletic, androgynous female body that exudes health and sex appeal is. The anorexic, boyish body has become the woman’s dream physiology, and she dresses accordingly.

Es wird Herbst,

Print Friendly, PDF & Email

bei ALDI und LIDL kommt wieder die Sockenwolle in die Angebots-Körbe... und ich meine, jedes Jahr werden sie noch ein wenig hässlicher, oder bin ich einfach nur ein Snob?

Ich habe zur Zeit, neben einigen anstehenden ehrenamtlich-politischen Terminen, eine Sammlungsphase. Ich sammele Strickbündchen.. und zwar ganz spezielle, Kihnu-Bündchen. Der Grund? Schon seit letztem November liegt wohl verwahrt und mit Lavendel und Ceder verwöhnt ein Kihnu-Troi-Torso in meiner Strick-Ecke, gestrickt für Heinz in Riina Tombergs Werkstatt auf der estnischen Insel Saaremaa. Ich hatte beim Craft Camp einen Workshop zum Thema "Kihnu-Pullover" belegt und die Vielfalt der Muster fasziniert mich.
EIn Kihnu-Troi, ein Männerpullover von der Insel Kihnu, zeichnet sich durch ein zweifarbiges, weiß-blaues All-over-Muster und farbig betonte Bündchen an Hals, Ärmeln und Bund und auf den Schultern aus.

 

Dieses Projekt habe ich hier auf der Wockensolle ja schon einmal vorgestellt, und im Sommer habe ich noch einen eintägigen Workshop bei Riina mitgemacht, mit dem Titel "Vitsad, pakud, täpid", und nun muss ich das wirklich fertigstellen, denn im November ist schon wieder der Martinsmarkt in Tallinn und ich fahre wieder hin..

Vitsad = plural für die Borten oder "Braids"
Pakud = die grafischen Muster zwischen den Borten
Täpid = das sind die kleinen Pünktchen, die in den Borten hervorlugen, ich mag sie ganz besonders.

Inzwischen ist mein Bündchen-Bestand erstaunlich angewachsen, und deshalb suchte ich nach einer Präsentationsmöglichkeit, die Pabbedeckel (= hessisch) sind ja nur ein Provisorium.

Ja, nicht nur für die Männer (die sich im fortgeschrittenen Alter ja am liebsten beim Urologen oder im Baumarkt aufhalten), nein auch ich greife ab und an auf die Angebote von Obi und Konsorten zurück. Und diese dezent grauen Schaumstoff-Rohre sind doch wirklich einen brauchbarer Hintergrund für die verschiedenen Teile.

Seitdem ich mich menta auf dieses Strickprojekt vorbereitete, wälzte ich ein Problem: Die Bündchen sind beim Abketten etwas weiter als beim Anschlag, ich schaffe es nicht das zweifarbige Abketten mit der gleichen Spannung wie den zweifarbigen Anschlag zu stricken, es gelingt mir nicht.

Und eigentlich sollte ein Bündchen ja am Ärmelende etwas schmaler sein als beim Beginn des Bündchens.

Wenn ich die offenen Ärmelmaschen aufnehme und das Bündchen stricke, dann habe ich am Ende das nicht so schöne Ende. Aber  das Bündchen stricken, abketten und dann mit Maschenstich hantieren wollte ich auch nicht.

Lizzy gab mir dann den entscheidenden Rat: Der Anschlag kommt "nach unten" und am Bündchen-Ende wird es mit den Ärmelmaschen per "3-needle-bind-off" verbunden. Und das klappt.

Ich habe es gleich zweimal ausprobiert, einmal an einen braunen Abschnitt (rechts) angestrickt und einmal an ein blaues Stück (links).

Und solange beim Abketten in beiden Teilen die gleichen Farben vorhanden sind, und das Bündchen außen über dem Ärmelteil zu liegen kommt,  kommt das auch gut zusammen. Da beide Teile auf je einem Nadelspiel sitzen, ist das schon ein ziemliches Gewürge... 9 Nadeln im Einsatz! Aber ich weiß jetzt wie es geht!

Spaß mit Katzen

Print Friendly, PDF & Email

Ja, auch bei mir gibt es CatContent! Im Sommer hat die örtliche Katzenmutter, die uns schon letztes Jahr ihren Nachwuchs, einen kleinen Kater, überließ, wieder beglückt, diesmal mit drei kleinen Viechern.

Wir hatten natürlich nicht vor, diese Drei zu behalten und versuchten auch zu enge emotionale Bindungen zu vermeiden, deshalb wurden sie auch nur knapp #1, #2 oder #3 benamst. Aber das half nichts, natürlich haben sie sich in unser Herz geschmuggelt.

Der willenstarke kleine Kater #1 war der neugierigste. Beharrlich krabbelte er in jeden Schrank, in jeden Karton, sprang auf jeden Tisch, verharrte versteinert-interessiert vor dem Drucker auf meinem Schreibtisch, folgte mir wie ein Hund, schlief des Nachts im Blumenkasten vor meinem Arbeitszimmerfenster und ja,

das Stricken faszinierte ihn auch. Er eroberte sich einen Wollkorb und verfolgte von dort aus das Geschehen.

Und nun ist er fort. Er wurde "ausgewandert" in das Forsthaus eines Freundes, wo es willenstarke Mausefänger braucht. Gerade noch rechtzeitig bevor er mir zu sehr ans Herz wächst.

Und was machen wir mit den anderen Katzen?
Ein kleiner, schwarzweißer, etwas schüchterner Kater und die stolze weißbepelzte Katze mit schwarzem Schweif - wer will sie haben?

Saaremaa – Intermezzo

Print Friendly, PDF & Email

Nun fahre ich mit dem Reisebericht fort... Nach dem Nordic Knitting Symposium, über das ich ja ausführlich, wenn auch recht langsam, berichtet habe, hatten wir eine freie Woche, bevor am 8. Juli das 5. Craft Camp der Culture Academy Viljandi in Olustvere startete.Und geplant war "Ausruhen auf Ruhnu", einer kleinen Insel, die wir bisher noch nicht bereist hatten.

Ausruhen bedeutet nun aber nicht faul auf der Haut liegen, mit Ohrhörern eingestöpselt und Sonnencreme auf der Haut, nein, echte Strickerinnen stricken! Und lernen die verschiedenen Stricktechniken und Stile, am liebsten vor Ort!
Deshalb hatte ich für die ersten Tage einen Workshop dort organisiert: Külli, eine Studentin von Riina Tomberg, lebt und arbeitet auf der Insel und kennt sich mit den Stricktraditionen dort bestens aus. Geplant war ein ausführlicher Besuch im Ruhnu Museum und dann 1,5 Tage Workshop - eine Gelegenheit für uns, die Travelling Stitches zu üben!

Ruhnu liegt etwas abgeschieden in der Bucht von Riga, näher zu Lettland denn zu Estland, nur 160 Menschen leben dort, aber sie haben ihre eigenen Traditionen und Muster: wenig Farben, dafür intensive Muster!

Anu Pink hat einige Anleitungen für Ruhnu-Handschuhe und Ruhnu-Socken veröffentlicht, Riina Tomberg führte einen Workshop dazu beim Nordic Knitting Symposium durch und wird dies auch beim kommenden Craft Camp unterrichten, Deshalb habe ich mich ja auch ganz besonders auf diesen Workshop auf Ruhnu gefreut.

 

© Anu Pink, Saara Kirjastus

Alle diese Pläne scheiterten. Denn die Fähre war kaputt - Motorschaden. Ein Deseaster, nicht unbedingt für uns, aber für die Bewohner der Insel, die Versorgung war gefährdet, die Sommersaison fiel ins Wasser - denn die Reederei war nicht in der Lage, ein Ersatzboot zu beschaffen oder ein Flugzeug zu chartern...

Für uns hieß das: gebuchtes Ferienhaus stornieren, die Tickets stornieren, den Workshop absagen und frustriert sein!
Und, mitten in der Sommersaison, eine Unterkunft für 5 Personen für eine Woche zu finden; was dann auch gelang, denn Riina regte an auf die Insel Saaremaa zu reisen stattdessen.

Und tatsächlich fand ich das Ovelia Bed & Breakfast in Kuressaare, dem Hauptort der Insel, und wir waren erleichtert. Auch wenn es diesmal also keine neuen Gebiete zu erkunden gab, Kuressaare bietet Abwechslung: Strand, Cafés, Buchgeschäft, Handarbeitsgeschäfte, gute Verkehrsanbindungen.

Und das Reisen mit den estnischen Fernbussen ist ein Genuß: die Tickets sind preiswert, die Busse pünktlich, auf vielen Linien gibt es Kaffee oder Tee kostenlos, man spart sich den gesonderten Kauf von Fährtickets auf der Strecke nach Muhu / Saaremaa, sehr entspannend.

 

Das Wetter meinte es nicht so gut mit uns während dieser Woche, es war frisch und regnete auch manchmal ein wenig, aber soetwas verdirbt nicht die Laune. Stricken kann man bei jedem Wetter und in Handarbeitsgeschäften stöbern ebenfalls.

Ich versuchte mich an der Anleitung für die "Old Ruhnu Gloves" von Anu Pink, und übte ersteinmal vor mich hin.

und erfahrene Stricken sehen jetzt schon, daß ich den zweifarbigen Anschlag vergeigt habe: ich habe, wie ich später lernte, die Fäden in der falschen Richtung verkreuzt. Dieses Projekt, von mir "Ruhnu Ferryboat Victim Gloves" benannt, habe ich auch nicht beendet, ich habe noch die zweifarbige Blumenborte gestrickt und seitdem ruhen die Nadeln.

Am Wochenende besuchte uns dann noch Kaidi aus Tallinn, eine liebe junge Freundin, da wurde auch das Wetter wieder besser.

Dieses Warnschild gab uns immer wieder Rätsel auf und ich konnte auch mit meinern Russischkenntnissen nicht alles übersetzen. Auf jeden Fall macht der Hund Klatz-Klatz mit den Eiern; die Warnung richtet sich wohl an männliche Passanten ;=)

bei bestem Wetter ging es dann am Sonntag mit dem Bus zurück aufs Festland und nach Viljandi zum Craft Camp.