wenn ich mich ärgere, kommen mir Ideen

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Ich suche ja bekanntlich nach Trachten und traditioneller Bekleidung, vornehmlich gestrickter Kleidung, in meiner Region Vorpommern. Und wurde in der letzten Zeit des öfteren auf einen Wettbewerb angesprochen, den das Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur Mecklenburg-Vorpommern ausgeschrieben hatte. Eine Sparte des Ministeriums ist "Heimatpflege" und kooperiert mit dem Heimatverband Mecklenburg-Vorpommern e.V. und natürlich, da in diesem meinem Bundesland Kultur immer Dienstleister für den Tourismusverband MV zu sein hat, mit diesem.

Und so schrieb dieses Trio 2017 einen Wettbewerb aus: "Trachten neu erleben".
Gesucht wurden alltagstaugliche, am Markt verkäufliche Outfits mit traditionellen Elementen aus dem Nordosten. Elf Bewerber hatten ihre Entwürfe eingereicht, drei Bewerber sollen Ende März in der zweiten Runde ihr konkretes Konzept vorstellen. Aus dem besten Entwurf soll eine Kollektion für den Nordosten entwickelt werden.

Im April 2018 wurden dann die Sieger gekürt.

Und wie zu erwarten war das Ergebnis fragwürdig.

Aber der Reihe nach:

  • Die Idee hatte Holger Hurtig, Präsident des Tanzverbandes MV.
  • Ausgelobt vom Ministerium und vom Heimatverband und vom Tourismusverband.
  • Durchgeführt vom Tourismusverband.

Und als sich dann Kritik regte, der Tanzverband MV und Volkstanzgruppen sich beschwerten, daß die Fachleute für Trachten aus MV am Wettbewerb nicht teilnahmen, wurde das abgebügelt, die Organisationen hätten ja teilnehmen können...

Dazu ein Zitat aus der Ostseezeitung, Ausgabe Ribnitz-Damgarten:

„Wir als Tanzverband wurden weder benachrichtigt noch sind wir in der Jury vertreten, obwohl wir sogar Mitglied im deutschen Trachtenverband sind. Genau wie viele andere Vereine, die sich seit Jahren mit Trachten und Brauchtum beschäftigen und auch nicht involviert sind“, beklagt dieser. Dabei sei es der Tanzverband, der sich seit der Gründung 1990 um die Aufarbeitung der hiesigen Trachtenlandschaft bemühe. Mit Hilfe von Büchern, Zeichnungen und alten Fotos seien bisher 19 Trachten gesichtet und aufgearbeitet worden, die von Mecklenburg bis zum Hinterpommerschen Raum reichen. 1994 gründete der Tanzverband MV dafür eigens den Arbeitskreis „Folklore, Trachten, Tanz und Brauchtum“, in dem 14 Volkstanzgruppen vertreten sind, die sich nun außen vor fühlen.

„Dafür bekommen wir sogar Mittel vom Kultusministerium, doch statt dieses Potenzial zu nutzen, sitzen nun Leute in der Jury, die von Trachten kaum Ahnung haben“, sagt Hurtig. „Auch wenn Frau Hesse sehr interessiert ist, glaube ich nicht, dass sie den Unterschied zwischen einer Poeler oder einer Mönchguter Tracht erkennen würde.“

Das Ministerium hatte zur  Vorbereitung des Wettbewerbes sogar eine Handreichung "Designer-Trachten neu erleben" aufgelegt. In dieser Handreichung ist so ziemlich alles zusammengetragen was an Material über Trachten aus der Region auf die Schnelle zu finden ist.  Sie können diese interessante Unterlage hier herunterladen:
  Handreichung für Designer: Trachten neu erleben

So ist das eben. Fachleute regen an, Touristiker  vermurksen.

Und natürlich hat die Presse dieses Thema aufgegriffen und anlässlich der Preisverleihung durch die Jury die erstaunlichsten Titel und Schlagworte für ihre Berichterstattung gefunden; da ist die Rede vom Küstendirndl, die Schweriner Volkszeitung titelt sogar: "Heimat für die Haut"  und dergleichen Unfug mehr.

Ziel des Wettbewerbes „Trachten neu erleben“, ..., war es, eine Modekollektion für den Nordosten zu entwickeln. Dabei ging es vornehmlich darum, ein Design zu erstellen, das die klassische Trachtenmode des Nordostens neu und alltagstauglich interpretiert.

Weder die Jurorin Jette Joop noch die Gewinnerin des ersten Preises, Veruschka Götz, haben irgendetwas von der Region, ihren Traditionen und Trachten verstanden.

Es kommt darauf an, authentische Elemente der Trachten kreativ mit modernen Einflüssen zu verbinden, dann sind auch junge Menschen bereit, Trachten zu tragen“, erklärte Designerin Jette Joop. „Wir freuen uns besonders, dass Jette Joop ihre Expertise mit einbringt und damit eine sehr praxisnahe Begleitung des Wettbewerbs gegeben ist“,entgegnet darauf die sich im Glanz der Haute Couture sonnende Ministerin.

Ich meine Frau Götz hat noch nicht einmal auf eine Landkarte geschaut. Die Kommunikationsdesignerin aus Berlin gibt erstaunliche Statements ab:

... wir haben einfach ganz viele Sachen von der Küste mit aufgenommen und hatten ganz ganz viel Spaß... insbesondere weil uns die Ostseeküste inspiriert hat: Die Ideen für die Kollektion, die zum Erfolg führten, sind in Graal-Müritz entstanden

Und so entwickelt sie einen Nordoster, weil es einen Südwester gibt, einen "Warener-Nerz" weil es schon einen Ostfriesennerz gibt, ich wundere mich über die unglaubliche Phantasie dieser Dame.


Veruschka Götz, Preisträgerin, Kommunikationsdesignerin, Tattoo-Trägern, Hundebesitzern und noch mehr

Klassische Trachtenmode solle alterstauglich interpretiert werden, jedoch wird der Entwurf der dritten Preisträgerin, Frau Fibian, von Frau Koop abgekanzelt:

es gefiele ihr zwar, daß die Teile des Entwurfs in der Region gearbeitet wurden, „jedoch erinnern die Trachten zu sehr an das, was es schon einmal gab.“ 

Also wie denn nun?

Ich stelle jetzt erstmal das Video von der Preisverleihung und den Gewinnern vor, binde einen Beitrag des Deutschlandsfunks ein und dann streife ich kurz die Idee, auf die ich gekommen bin (denn das sind ungelegte, aber schon angebrütete Eier - Biologen mögen mir verzeihen ob des sachlich falschen Vergleichs...)

Ich habe nun eine Idee. Ich verbünde mich mit dem Heimatverband.

Denn: Ich weiß wie im Baltikum Trachten und zeitgemäße Bekleidung gelebt werden, wie die Kulturakademie Viljandi der Universität Tartu Modedesigner ausbildet, die sich in der Bekleidungsgeschichte auskennen und die Schönheiten der traditionellen Kultur mit zeitgemässen Entwürfen umsetzen, ich kenne Fachfrauen für dieses Gebiet aus Lettland und Estland.

Was sind dagegen die armseligen Entwürfe dieser ersten und zweiten Preisträger? Hundecape á lá Mecklenburg-Vorpommern als Entwurf für Museumsmitarbeiter - das ist mindestens eine Beleidigung... 

Wir werden es diesen Ignoranten schon zeigen! Ich lass mir was einfallen!

Alles Neu macht der Mai

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haben sich die EU-Technokraten (andere nennen sie EU-Krawattenständer) wohl gedacht und sich eine Datenschutzgrundverordnung ausgedacht, die vollkommen wirklichkeitsfremd und auch in vielen Punkten nur lächerlich, aber auf jeden Fall lästig ist.
Am 25. Mai 2018 tritt diese Grundverordnung endgültig in Kraft. Und dann beginnt die hohe Zeit der Abmahn-Anwälte, die dann Jagd auf jede Webseite machen können, die nur irgendein klitzekleines Formular nutzt oder irgendwo eine GoogleMap einbindet ohne den Seitenbesucher erst durch Tausend Klicks zu zwingen, in denen er gezwungen wird zu akzeptieren daß sein Wunsch sich auf der Karte umzuschauen, wo z.B. Gribow liegt, Daten an den Google-Kartenserver überträgt... oder wie soll sonst eine Karte geladen werden auf der Gribow zu finden ist?

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Karte zentrieren
Verkehr
per Fahrrad
Transit
Google MapsRoutenplanung starten

Ich möchte jetzt nicht auf die technischen Details eingehen, aber ein wenig erklären warum es zur Zeit auf der Wockensolle etwas ruhiger zugeht. Ja, wenn man nur einfach so vor sich hinstricken könnte!

  • Ich arbeite ja mit mehreren Domains und betreue auch andere Webprojekte. Und es scheint für meinen Hoster ein recht grosser Aufwand zu sein, die Grundanforderung der oben angesprochenen Grundverordnung, nämlich die Verschlüsselung, umzusetzen. Und das ist nun mal die Voraussetzung für alles was dann noch folgt. Wenn der Server endlich https:// unterstützt muss ich alle internen Verweise etc. auf dieses Format umstellen. Dazu beginnt nächste Woche der erste Testlauf.
  • Gleichzeitig versuche ich die Anforderung dieser Verordnung zu verstehen und muss auch den nun endlich aufgescheuchten Kunden erklären was zu tun ist. So langsam wirkt das "Hühner-Scheu-Machen" der ach so technik-affinen Presse, so langsam merken auch die Kunden dass da was im Busch ist, und dann fragt man halt mich...
  • Ich versuche die eingesetzten Funktionalitäten der Wockensolle auf diese Punkte abzuklopfen und muss einiges tun. Unter jedem Youtube-Video beispielsweise soll nun ein Hinweis stehen, daß es datenschutzkonform geladen wird und und und... Wenn alle diese Hinweise umgesetzt sind wird die Seite vor lauter Klicks "Ja, ich weiß - Ja, ich akzeptiere - Ja, ich will" nur noch eine Belästigung für den Seitenbesucher und anstrengender als das tagelange Drehen einer tibetischen Gebetsmühle .. dieser schwachsinnige Hinweis auf die Cookies hat mir schon immer gereicht, ich habe diese Überbevormundung so richtig gefressen..
  • Erstmal versende ich keine Informationen mehr wenn es einen neuen Beitrag hier auf der Seite gibt, denn da fehlt noch der Standesamts-Klick "Ja - ich will"...

 

Nun aber zum Wockensolligen, das Technische ist jetzt abgehakt, genug gejammert.

Ich habe in den letzten Tagen meine estnischen Wadenwärmer Muhu säärised) fertiggestellt, den 2. Workshop-Pulswärmer gestrickt, einige Strickschriften für den Sena-Klets-Workshop "Let's Knit in Kurzeme" erstellt, ein Tuch angefangen, eine Mütze für den Mützen- KAL im Klinta-Forum bei Ravelry begonnen und auch Spurensuche betrieben.

Bei der Textil-Ausstellungseröffnung im Koeppenhaus habe ich ein Büchlein Mecklenburgische Volkstrachten aus dem Jahre 1986 geschenkt bekommen und darin entdeckte ich doch tatsächlich eine gestrickte Mütze, Teil der Mönchguter Fischertracht, von der Insel Rügent.
Bisher war ich ja mit meiner Suche hier in der Region immer erfolglos, aber das hat sich wohl nun geändert.

Auch wenn ich der Meinung bin, daß Rügen nicht zu Mecklenburg gehört sondern zu Vorpommern (früher zu DDR-Zeiten "Bezirk Rostock" geheißen) und also unter einem nicht so stimmigen Titel subsummiert wurde,  habe ich mich sehr gefreut.
Nun werde ich in der kommenden Woche das Stralsunder Museum, das diese Mütze besitzt, besuchen und die Kopfbedeckung genauer studieren, dazu dann mehr hier auf der Wockensolle.

Die Zeit fliegt nur so dahin

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und schon sind die Baltischen Kulturtage in Greifswald vorbei... ich bin noch immer ganz erfüllt. Ich bin glücklich und zufrieden, daß wir so ein schönes Programm zusammenstellen und soviel Interesse wecken konnten.

Die schöne Ausstellung der Volkskunstvereinigung Draudzība aus Riga ist noch bis zum 16. Juni im Koeppenhaus in Greifswald zu sehen und während der Öffnungszeiten der Ausstellung kann man auch noch Wolle aus Lettland erstehen und das Buch "Handschuhe aus Lettland" von Maruta Grasmane, wir haben Nachschub geordert!

Ich werde in den nächsten Tagen einen intensiveren Bericht über die einzelnen Veranstaltungen erstellen, aber ein paar Infos möchte ich jetzt noch zusammenstellen:

  • im nächsten Jahr gibt es ganz bestimmt mindestens einen Wochenend-Workshop mit baltischen Stricktechniken! Dace Gaile von Draudzība hat schon zugesagt, sie ist eine Meisterin der Perlenstrickerei!
  • Sobald ich die Datei mit den verschiedenen Arten der lettischen Flechtborte bekommen habe, die Maruta beim Workshop zeigte, werde ich die Workshop-Unterlagen als PDF-Datei hier auf der Wockensolle zum Download einstellen

Und jetzt gehe ich in den Garten, die Sonne genießen. Und zum Abschluss noch ein paar Bilder vom Workshop, der Ausstellung, dem Ausflug mit Monta und Maruta Grasmane an die Ostsee und das großartige Konzert mit Vladimir Tarasov und Heinz-Erich Gödecke.

Workshop mit Maruta Grasmane in Greifswald

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Nur ein kurzes Stimmungsbild von dem wunderbaren Tag gestern, der Workshop von Maruta Grasmane bei den Baltischen Kulturtagen Greifswald war ein ganz besonderes Erlebnis!

Ich werde noch ausführlich darüber berichten, aber jetzt muss ich erstmal frühstücken und dann gibt es heute ja auch noch den Film "Ruch un Norie" im Koeppenhaus in Greifswald, 18:00 Uhr!

Ich bin richtig glücklich!

Ausstellung „Draudziba“ aus Riga

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Die Eröffnung der Ausstellung der kunsthandwerklichen Vereinigung Draudzība aus Riga rückt auch näher! 
Am Dienstag, dem 1. Mai,  kommt Dace Gaile von Draudzība mit zwei Koffern voller wunderschöner Arbeiten angeflogen, ich hole sie in Berlin am Flughafen ab und dann geht es sofort an den Aufbau der Ausstellung, denn am 2. um 19:00 findet im Koeppenhaus in Greifswald  die Vernissage statt.

Bis MItte Juni werden die wunderbaren Web- und Strickarbeiten dann in der Galerie des Koeppenhauses gezeigt, und ein Besuch der Ausstellung lohnt sich wirklich!

Ich war ja schon zweimal in Riga in Präsentationen des Studios Tautas lietišķās mākslas studija "Draudzība" und war immer wieder fasziniert.

 

Das Kunsthandwerkzentrum Ritums (gerade um die Ecke von Sena Klets), in dem die Ausstellungen gezeigt werden, informiert auf seiner Webseite auch über Draudzība und mit einem Online-Übersetzungstool oder -browser versteht man auch den Inhalt der Seite.

In meinem Bericht über einen Riga-Aufenthalt im November 2015 habe ich auch eine Bildergalerie vom Ausstellungsbesuch eingebunden und vom Dezember 2017 gibt es auch einen Bericht.

Nordischer Klang – am 3. Mai

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Am 3. Mai kommt es zu einer Begegnung "alter" Freunde, denn die beiden Musiker Vladimir Tarasov und Heinz-Erich Gödecke kennen sich seit Beginn der Neunziger, lernten sich in St. Petersburg kennen, konzertierten gemeinsam an vielen Orten und gingen gemeinsam auf Gastspielreisen in Russland, China, Litauen.

Was beide verbindet? Das Ignorieren gängiger Schablonen, sie sind nicht nur Musiker sondern auch bildende Künstler: Performances, Installationen, Zusammenarbeit mit Ilya Kabakov und anderen großartigen Malern, Klang - und Bild-Experimente.

Am 3. Mai treten die zwei Freunde (meine Freunde) in St. Spiritus in Greifswald auf, ein Konzert im Rahmen des Festivals "Nordischer Klang". Eine Freude.

Donnerstag, 3. Mai 2018. 20:00 Uhr, St. Spiritus, Greifswald
Eintritt 12€ / 8€