Frust

„Die schöne Insel Kihnu“ – das sollte eigentlich der Titel dieses Beitrags sein und ich wollte zum Abschluß des Berichtes eine Galerie mit den schönsten Bildern von der Insel hier einbinden.
Leider hat eines der unendlich vielen Updates des Webseiten-Templates „DIVI“ die Anzeige der Galerien zerschossen. Das heißt auch die Bildergalerien in den vorherigen Beiträgen werden nicht mehr angezeigt.

Ich habe es so satt! Jedes Mal, wenn ich etwas schreiben möchte, muss ich erstmal prüfen ob die Seitendarstellung überhaupt noch funktioniert. Und irgendetwas reparieren.

Danke, Elegant Themes, tolle Arbeit!

Ich bin ja nicht die Fachfrau…

Starsky und Hutch: Leder und Wolle

und ich habe in meiner Jugend selten „Starsky und Hutch“ im TV verfolgt, die Jacke des Herrn Hutch fiel mir aber immer auf. In meiner jugendlichen Unbedarftheit meinte ich bis noch kürzlich, es handele sich um ein mexikanisches Modell. Ich war und bin halt nicht die Fachfrau.

Dann habe ich aber gelernt, daß solche Jacken von den Cowichan-Indianern Kanadas, die zu der First Nation der Salish gehören,  tradiert und gestrickt werden.

Cowichan-Jacke

Diese Jacken waren mal absolut „in“, sie waren lässig, nahmen nichts übel und passten zum Ethno-Look der Hippie-Jahre.

(Ich habe nie eine solche Jacke gehabt oder getragen, weiß nicht warum)

Nun aber sehe ich die neuen Designs der renommierten Wollfirma Bergère de France und wundere mich. Über mehrere Dinge: Auf der Webseite http://www.bergeredefrance.co.uk/ werden die Muster des aktuellen Magazins „Le Wooling“ vorgestellt. Was bitte ist „Le Wooling“ ? Eine dumm-kokette Wortspielerei…

Aber dann das hier:

Männer-Jacke von Bergère de France

Dieser unglücklich-unschlüssig blickende Mann trägt ein äußerst schlecht sitzendes Modell der aktuellen Kollektion Wooling Issue 3#10 FairIsle Jacket und ich frage mich: wie bitte?

Eine Cowichan.-Jacke, falsch betitelt, mit einem Garn, welches treffenderweise Alaska heißt und zu 50% aus Acryl besteht, was bitte ist da Fair Isle?
Wieder mal ein Beispiel für die Unsitte, alles was mit zwei oder mehreren Fäden hergestellt wird, Fair Isle zu nennen. Dummheit allerorten – wie ärgerlich.

This wintry, graphic fair isle jacket for men has a small shawl collar. This pattern for intermediate knitters is made with ALASKA yarn (50% combed wool – 50% acrylic).

Welch versiertes Management läßt sowas durch, welch versiertes Lektorat winkt das durch?

Bitte nicht stricken!

 

Zwischenruf: Black Scheiss…

Da komme ich von einer schönen Reise zurück, bin müde und erfüllt, höre meinen  Anrufbeantworter ab und schaue meine diversen Postfächer durch und krieg die Krise.

No Black Friday!

No Black Friday!

Überall dieser unsägliche Black-Friday-Scheiß! Was soll das? Früher gab es mal Erntedank und man freute sich, heute soll man konsumieren konsumieren konsumieren.

Eine enthemmte Verkäufermeute scheißt mich zu mit Schrottangeboten und Sonderpreisen.
Zwei Folgerungen ziehe ich daraus:

  • Entweder sind die generellen Preise so hoch daß sie dauernd reduziert werden können
  • oder die Ware ist so schlecht daß sie reduziert verschleudert werden muß.

Welche Hektik, Aufgeregtheit und Agressivität – kein Respekt vor dem Kunden.

Ich habe einmal gelernt, dass am Black Friday die Börse in NY zusammenbrach, aber das passiert ja heute nicht mehr, die Steuerzahler stehen ja für die Banken ein … und von dem bißchen was Ihnen nach der Bankenrettung übrig bleibt können sie ja dann noch das eine oder andere Sonderangebot bestellen.

Ich fühle mich von solchem Konsumterror abgestossen und belästigt.

Fette Wolle, dicke Nadel

Ach, was waren das noch Zeiten, als die Brigitte eine eigene Redaktion und keine Prekariats-Aushilfen  beschäftigte und ehedem die anspruchsvollste deutsche Frauenzeitschrift war, neben Portraits von Politikerinnen wie Bernadette Devlin und anderen aktuellen Beiträgen auch hervorragende Sonder- oder Weihnachtshefte mit wunderbaren Anleitungen bot. (Ich glaube, das hab ich schonmal hier auf der Wockensolle geschrieben, ist aber seitdem nur noch schlimmer geworden).

Brigitte Heft

Brigitte Heft

Nun, da liegt eine neue Ausgabe in der Tanke aus und auf dem Titelbild prangt groß das  Reizwort Stricken!

EIgentlich erwarte ich ja, daß beim Stricken mehr als nur so ein Lumpen-Liesel-Monster-Schal entstehen sollte, aber meine schlimmsten Erwartungen wurden getrübt.

Häßlich, grob, untragbar oder einfach banal – suchen Sie es sich aus, liebe Leserin!

Falls Sie aber zu den Konsumentinnen gehören, die schwach werden, wenn nur das Wort Design fällt und die gerne etwas geschenkt bekommen, dann ist dieses Heft doch vielleicht etwas für Sie.

Denn dem Heft ist neben dem unbenutzbaren Anleitungsbeileger (Plakatgröße!) eine Design-Holz (jawoll!)-Rundstricknadel von Lana Grossa (Fette Wolle) in Nadelstärke 5 it dem äußerst exklusiven Aufdruck „Brigitte“  beigelegt!  Und das ist dann wohl ein Schnäppchen, denn das unsägliche Druckerzeugnis samt Stricknadel kostet nur halb so viel wie die ansonsten überteuerten und leicht brechenden Strickhölzer dieser Firma.

Exklisiv-Nadel von Brigitte

Exklisiv-Nadel von Brigitte

Wes Geistes Kind dieses Heft inzwischen ist, zeigen solche Anreißer wie „von wegen perfekt: Jetzt zeigt Charlotte Würdig ihren wahren After-Baby-Body“ (wer bitte ist diese un-würdige Charlotte?) oder „DAS ist der geilste Parfum-Spot ALLER Zeiten!“

Soll man Drohungen wie „Diese Folgen hat es, wenn du nur alle zwei Tage duschen gehst“ oder „20 Dinge, die passieren, wenn du ein Baby bekommen hast“ ernstnehmen?

Mal ehrlich: wer ist debiler? Diese wildgewordenen spätpubertären Texter oder deren avisierte Zielgruppe? Ich wende mich mit Grausen.

Babylonische Strickverwirrung – Globalisierungsgemansche

Pieter Bruegel der Ältere (1526/1530–1569) [Public domain], via Wikimedia Commons

Pieter Bruegel der Ältere (1526/1530–1569) [Public domain], via Wikimedia Commons

Wer von uns kann die baltischen, estnischen, lettischen, litauischen, skandinavischen und Fair-Isle-Farbmuster genau, 100%ig voneinander unterscheiden und eine hieb- und stichfeste Definition liefern?

Da gibt es jede Menge Überschneidungen, und „baltisch“ ist ja sowieso eine Obermenge von lettisch, estnisch, litauisch und vielleicht auch noch finnisch?

Auch wenn wir nicht immer treffsicher eine genaue Definition auf den Tisch legen können, und auch wenn in den diversen Foren von Ravelry.com immer wieder die Frage hochkommt: „was bedeutet FairIsle für Euch? / Wie definiert Ihr FairIsle?“ usw., wenn man sich eine Weile mit diesen Strickarten beschäftigt hat, dann bekommt man einen Blick dafür.

Und in den Ravelry-Foren trifft man viele Experten, die gerne weiterhelfen. So wie Elizabeth Lovick, die sich explizit über das Steeken der Strickteile geäußert hat und mit dem Mythos aufräumt, daß Steeken eine shetlandische Angewohnheit sei… nein, traditionell strickte man dort immer „flat“ mit langen Nadeln…

Auch vor der Digitalisierung unseres Strick-Wissens gab es schon solch eine Begriffsverwirrung, mehrfarbige Muster wurden im Deutschen, wie ich mich erinneren kann, als Jacquard– oder Norwegermuster bezeichnet, man kannte es eben nicht anders. Jetzt aber kann man es anders wisssen, es gibt ausreichend Literatur, Foren, Gruppen, Austauschmöglichkeiten, und deshalb ärgert es mich, daß da immer so geschlampt wird.

Auf wieviele Köpfe kommt diese Mützetags2Es kann doch nicht sein, daß solch eine banale Mütze gleichzeitig estnisch, Intarsien, FairIsle, Lettland und Shetland vereint.

Solch einen großen Kopf hat die  Dame ja wohl nicht.

Oder dieser Schlagwort-Rundschlag:
Ravelry-TagsMich ärgert sowas. Und ich frage mich warum das so ist? Was will man mit einer solchen Verschlagwortung erreichen? Das zeigt doch nur, daß man sich entweder über alles Wissen hinwegsetzt oder nichts weiß…

7 TreasuresSchade. Da bemühen sich Viele um mehr Wissen, gesichertes Wissen, Freude am Originalen, sehen Ravelry als Möglichkeit, die Welt zu erstricken, und dann kommt solch ein Globalisierter Mischmasch dabei raus.

Ganz besonders gruselig finde ich diese Socken:

angeblich japanischer Herkunft, soll dieses Muster Ähnlichkeiten mit einem lettischen Muster aufweisen, und schon kommen die Globalisierungs-Mischmascher und wollen das bei einem KAL als „baltisch-modern“ unterjubeln.

Ich halte das nicht für Weltoffenheit, sondern einfach nurfür Unbedarftheit, aber die breitet sich ja leider immer am schnellsten aus.

Nichts ist so alt wie …

die Zeitung von gestern, sagt man medienkritisch. Und nichts ist so hartnäckig wie ein von den Zeitungen immer wieder durchgekautes Vorurteil.

Cascais WandbildJa, ich meine die Strick-Oma.

Was andernorts (so in Cascais) wandbild-würdig ist, taugt in unseren Breiten nur zum immer wieder gebetsmühlenartig abgeratterten Abgrenzungskriterium.

Ja, ich habe von der Oma stricken gelernt

Nein, was ich mache, hat nichts mit dem zu tun, was meine Oma so langweilig gestrickt hat

Wolle, Stricknadeln und Anleitung – aber modisch statt altbacken

Stricken ist für Omas? Von wegen! Wie zwei Gründerinnen mit Hilfe des Social Web Handarbeiten cool machen

Genug der Zitate. Nun der Link. Die gute alte FAZ (eine Zeitungs-OMA!!!!) bringt mal wieder was über Mode. Wool and the Gang vermarktet Wolle, Stricknadeln und Anleitungen über das Internet. Altbacken? Von wegen! Wie die Gründerinnen geschickt den Coolness-Faktor nutzen.  

Man merke: Die Damen von Wool and the Gang verwehren sich nicht gegen Großmütter, das sind die deutschen Zeitungsschreiberlinge, die meinen ohne Vorurteil nicht auskommen zu können. 

Die Autorin dieses Artikels, Frau Julia Löhr, die sonst über Lifestyle-Mist und Frauenquote schreibt, hätte nur mal in das FAZ-Archiv schauen müssen, um sich klar zu machen, daß man die Alten nicht mehr lange klischee-isieren darf …

RisikogruppeRentner

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