Ach, wie tut das gut

ich halte mit meiner Meinung bekanntermaßen nicht hinter dem Berg, kriege dann aber oft so richtig-politisch-korrekte Ordnungsrufe oder Belehrungen vorgehalten. Was meine Meinung bekanntermaßen nicht mildert, sondern meistens bestätigt…

Umso wohltuender empfinde ich Schwestern im Geiste, und nun habe ich wieder eine Schwester gefunden: Orange Swan (ihren real-life-Namen habe ich nicht herausgefunden, aber ich heiße ja auch nicht wirklich Wockensolle)…

Auf einem ihrer drei Blogs (The Knitting Needle and the Damage done) rezensiert sie frisch auf den Markt gekommene Strickzeitschriften und das auf eine wahrhaft spezielle, scharfzüngige und umso trefferende Weise.

Ihre Kommentare zu den Modellen in diversen Strickzeitschriften tun mir soooo gut!

Mit viel Humor trifft sie die Nägel auf den Kopf, was diese Kritik des Rowan Magazine #62 beweist.

Almondbury sieht sie als Decke mit Ärmeln: The texture’s great and the colours are beautiful, but this one isn’t so much a cardigan as it is an afghan with sleeves.

Bilby, eine Kurzarmjacke, beschreibt sie mit Worten, deren Witz ich gar nicht so richtig übersetzen kann: This one has such a dragged out, downtrodden look that even the model it’s on is looking as though she’s getting a sudden urge to sit in a darkened room, wrap herself in a blanket and eat marshmallow fluff straight from the jar. Ja, ich würde mich auch im Schrank verstecken, mit solch einer Jacke!

Und erstaunlicherweise erhält sie Beifall in den Kommentaren und wird nicht von den Torwächtern des Erlaubten zurückgewiesen ;=)

Solche Teile nennt man ja „fingerless mittens“; aber hier sind eindeutig zuviel Finger… Ach ich könnte noch viel mehr hier zeigen, so sehr hat Orange Swan mein Herz erfreut!!

Einen Nachschlag noch kann ich mir aber nicht verkneifen:

Draußen nur Kännchen – im Kopf nur englisch?

Achtung Polemik!

Der nachfolgende Text ist polemisch, es ist aber trotzdem was dran..

Ich habe heute morgen wieder mal ein wenig im Netz gestöbert und fand die Ankündigung für eine zweitägige Veranstaltung: „Berlin knits – Yarn Festival 2017„.

Nun ist Berlin ja nicht so weit weg und ich gehe gern unter Leute, aber dann habe ich mich auf der Webseite des Festivals umgeschaut und mich doch recht gewundert.

Berlin knits? Warum strickt Berlin nicht?
Berlin – the place to be? Wer sagt das? Wer schreibt das vor? Warum soll ich dort sein? Bin ich ein Lemming? 
Von 10.00 bis 18.00 h – ? Uhr? Also wenn die Abkürzung für Stunde genommen werden soll, dann bitte ohne Leerschritt zwischen Stundennummer und dem ‚h‘.

Berlin the place to be?

Das fiel mir beim Aufruf der Seite gleich auf.
Dann habe ich mich weiter umgeschaut. DIe Seite soll zweisprachig sein, es gibt auch einen Knopf zum Sprachwechseln, aber trotzdem sind etliche Porträts der Kursleiterinnen auf englisch, selbst deutschsprachige Damen (aus Moenchengladbach) werden auf englisch vorgestellt.  Der Blog dieser Designerin ist übrigens auch auf englisch… 

Was soll das? Die Veranstaltung findet in Berlin statt, organisiert von deutschen Wollladenbesitzerinnen. Richtet sich die Veranstaltung nur an ein englischsprachiges Publikum? Eher doch wohl nicht.

Unter Sprache versteht man die Menge, die als Elemente alle komplexen Systeme der Kommunikation beinhaltet, sagt die Wikipedia. Und das erledigt in Deutschland die deutsche Sprache. Warum aber wird deutsch vermieden, wechselt man ins Englische?

Es soll Weltläufigkeit demonstriert werden, denke ich. Aber das ist albern. Weltläufigkeit bedeutet daß man sich in der Welt zurechtfindet, und das tut man in der Sprache, die an dem Ort gesprochen wird wo man sich gerade aufhält, oder sehe ich das falsch?

Ich spreche seit meiner Schulzeit englisch,das ist meine 2. Sprache und ich habe, damit ich mich dort wo ich herumreiste verständigen konnte, insgesamt 12 Sprachen gelernt, 5 davon kann ich noch (mal besser, mal schlechter). Aber ich spreche in Deutschland doch deutsch und wechsele nur dann in eine andere Sprache, wenn ich mit Anderssprachigen zu tun habe..

Alles auf Englisch – das ist borniert. Und ab morgen tragen alle Strickerinnen / Festivalbesucher nur noch grüne Klamotten und sind römisch-katholisch… ach Verzeihung, das ist ja nicht hip, nicht „the religion to be“…

Und noch was: welche Sprache ist denn nach dem Brexit an der Reihe?

Frust

„Die schöne Insel Kihnu“ – das sollte eigentlich der Titel dieses Beitrags sein und ich wollte zum Abschluß des Berichtes eine Galerie mit den schönsten Bildern von der Insel hier einbinden.
Leider hat eines der unendlich vielen Updates des Webseiten-Templates „DIVI“ die Anzeige der Galerien zerschossen. Das heißt auch die Bildergalerien in den vorherigen Beiträgen werden nicht mehr angezeigt.

Ich habe es so satt! Jedes Mal, wenn ich etwas schreiben möchte, muss ich erstmal prüfen ob die Seitendarstellung überhaupt noch funktioniert. Und irgendetwas reparieren.

Danke, Elegant Themes, tolle Arbeit!

Ich bin ja nicht die Fachfrau…

Starsky und Hutch: Leder und Wolle

und ich habe in meiner Jugend selten „Starsky und Hutch“ im TV verfolgt, die Jacke des Herrn Hutch fiel mir aber immer auf. In meiner jugendlichen Unbedarftheit meinte ich bis noch kürzlich, es handele sich um ein mexikanisches Modell. Ich war und bin halt nicht die Fachfrau.

Dann habe ich aber gelernt, daß solche Jacken von den Cowichan-Indianern Kanadas, die zu der First Nation der Salish gehören,  tradiert und gestrickt werden.

Cowichan-Jacke

Diese Jacken waren mal absolut „in“, sie waren lässig, nahmen nichts übel und passten zum Ethno-Look der Hippie-Jahre.

(Ich habe nie eine solche Jacke gehabt oder getragen, weiß nicht warum)

Nun aber sehe ich die neuen Designs der renommierten Wollfirma Bergère de France und wundere mich. Über mehrere Dinge: Auf der Webseite http://www.bergeredefrance.co.uk/ werden die Muster des aktuellen Magazins „Le Wooling“ vorgestellt. Was bitte ist „Le Wooling“ ? Eine dumm-kokette Wortspielerei…

Aber dann das hier:

Männer-Jacke von Bergère de France

Dieser unglücklich-unschlüssig blickende Mann trägt ein äußerst schlecht sitzendes Modell der aktuellen Kollektion Wooling Issue 3#10 FairIsle Jacket und ich frage mich: wie bitte?

Eine Cowichan.-Jacke, falsch betitelt, mit einem Garn, welches treffenderweise Alaska heißt und zu 50% aus Acryl besteht, was bitte ist da Fair Isle?
Wieder mal ein Beispiel für die Unsitte, alles was mit zwei oder mehreren Fäden hergestellt wird, Fair Isle zu nennen. Dummheit allerorten – wie ärgerlich.

This wintry, graphic fair isle jacket for men has a small shawl collar. This pattern for intermediate knitters is made with ALASKA yarn (50% combed wool – 50% acrylic).

Welch versiertes Management läßt sowas durch, welch versiertes Lektorat winkt das durch?

Bitte nicht stricken!

 

Zwischenruf: Black Scheiss…

Da komme ich von einer schönen Reise zurück, bin müde und erfüllt, höre meinen  Anrufbeantworter ab und schaue meine diversen Postfächer durch und krieg die Krise.

No Black Friday!

No Black Friday!

Überall dieser unsägliche Black-Friday-Scheiß! Was soll das? Früher gab es mal Erntedank und man freute sich, heute soll man konsumieren konsumieren konsumieren.

Eine enthemmte Verkäufermeute scheißt mich zu mit Schrottangeboten und Sonderpreisen.
Zwei Folgerungen ziehe ich daraus:

  • Entweder sind die generellen Preise so hoch daß sie dauernd reduziert werden können
  • oder die Ware ist so schlecht daß sie reduziert verschleudert werden muß.

Welche Hektik, Aufgeregtheit und Agressivität – kein Respekt vor dem Kunden.

Ich habe einmal gelernt, dass am Black Friday die Börse in NY zusammenbrach, aber das passiert ja heute nicht mehr, die Steuerzahler stehen ja für die Banken ein … und von dem bißchen was Ihnen nach der Bankenrettung übrig bleibt können sie ja dann noch das eine oder andere Sonderangebot bestellen.

Ich fühle mich von solchem Konsumterror abgestossen und belästigt.

Fette Wolle, dicke Nadel

Ach, was waren das noch Zeiten, als die Brigitte eine eigene Redaktion und keine Prekariats-Aushilfen  beschäftigte und ehedem die anspruchsvollste deutsche Frauenzeitschrift war, neben Portraits von Politikerinnen wie Bernadette Devlin und anderen aktuellen Beiträgen auch hervorragende Sonder- oder Weihnachtshefte mit wunderbaren Anleitungen bot. (Ich glaube, das hab ich schonmal hier auf der Wockensolle geschrieben, ist aber seitdem nur noch schlimmer geworden).

Brigitte Heft

Brigitte Heft

Nun, da liegt eine neue Ausgabe in der Tanke aus und auf dem Titelbild prangt groß das  Reizwort Stricken!

EIgentlich erwarte ich ja, daß beim Stricken mehr als nur so ein Lumpen-Liesel-Monster-Schal entstehen sollte, aber meine schlimmsten Erwartungen wurden getrübt.

Häßlich, grob, untragbar oder einfach banal – suchen Sie es sich aus, liebe Leserin!

Falls Sie aber zu den Konsumentinnen gehören, die schwach werden, wenn nur das Wort Design fällt und die gerne etwas geschenkt bekommen, dann ist dieses Heft doch vielleicht etwas für Sie.

Denn dem Heft ist neben dem unbenutzbaren Anleitungsbeileger (Plakatgröße!) eine Design-Holz (jawoll!)-Rundstricknadel von Lana Grossa (Fette Wolle) in Nadelstärke 5 it dem äußerst exklusiven Aufdruck „Brigitte“  beigelegt!  Und das ist dann wohl ein Schnäppchen, denn das unsägliche Druckerzeugnis samt Stricknadel kostet nur halb so viel wie die ansonsten überteuerten und leicht brechenden Strickhölzer dieser Firma.

Exklisiv-Nadel von Brigitte

Exklisiv-Nadel von Brigitte

Wes Geistes Kind dieses Heft inzwischen ist, zeigen solche Anreißer wie „von wegen perfekt: Jetzt zeigt Charlotte Würdig ihren wahren After-Baby-Body“ (wer bitte ist diese un-würdige Charlotte?) oder „DAS ist der geilste Parfum-Spot ALLER Zeiten!“

Soll man Drohungen wie „Diese Folgen hat es, wenn du nur alle zwei Tage duschen gehst“ oder „20 Dinge, die passieren, wenn du ein Baby bekommen hast“ ernstnehmen?

Mal ehrlich: wer ist debiler? Diese wildgewordenen spätpubertären Texter oder deren avisierte Zielgruppe? Ich wende mich mit Grausen.