Textile Tour, 3. Tag

Shetland Museum and Archive

Shetland Museum and Archive

Heute ging es nach Lerwick, in das Shetland Museum and Archive . Ein wunderschönes Museum mit einer großen Textilabteilung. In den Vitrinen und Schubladen ruht so mancher Schatz, den ich hier nach dem intensiven Tag nicht genug würdigen kann. Das habe ich mir für einen späteren Beitrag nach der Reise vorgenommen.
Aber schon einmal ein Tipp: auf der Museumsseite gibt es einige Broschüren zum Herunterladen ! So zum Beispiel eine Broschüre über den Gunnister Man, die Moorleiche aus dem 18. Jahrhundert.

Fair Isle Beret aus dem 19. Jahrhundert

Fair Isle Beret aus dem 19. Jahrhundert

Als kleine Kostprobe diese Kopfbedeckung mit dem ungewöhnlichen Rand.

Lerwick Textile Museum

Shetland Textile Museum

Dieses kleine feine Museum war unser nächstes Ziel, ich hatte es bisher noch nicht besichtigt, sondern mir das für heute aufgehoben. Ich hätte auch keine Chance gehabt, es früher zu besuchen, denn heute. am 16.04., war die Wiedereröffnung nach der Winterpause. Am Eingang wird man empfangen von einem JumperBoard mit einem heftiggrünen Pullover, innen dann gibt es die unterschiedlichsten Textilien zu besichtigen, in kleinen Räumen, so z.B. die Examensausstellung von Absolventinnen des Textillehrgangs der Hochschule in Lerwick.  Die Webseite des Museums wird gerade erst fertiggestellt.

Brita und Deb inspizieren das Spinnrad

Brita vom Museum und Deb inspizieren das Spinnrad

Deborah aus unserer Gruppe hat sich das kleine Spinnrad sehr genau angeschaut und es dann erstanden. Nun muss es noch fachmännisch zerlegt und nach Utah versandt werden.

Nach einem Lunch im Hay Dock’s Restaurant im Shetland Museum hatten wir dann knapp zwei Stunden Zeit, uns in Lerwick umzuschauen. Mein erstes Ziel war der Geldautomat, dann der Shetland Times Bookshop, aber so langsam finde ich keine KnittingBooks mehr, ich bin da wohl ziemlich komplett inzwischen. Aber ein Hinweis: Die DVD von Hazel Tindall, die hier 25£ kosten soll, gibts überall sonst für 15£!

Ich hab  mich dann nocheinmal ins Fine Peerie Cakes Café gesetzt und einen kräftigen Kaffee genossen, dann ging es zurück, denn es erwartete uns noch ein besonderes Highlight:

Marion Anderson

Marion Anderson

Marion Anderson, die im B&B so gut für uns sorgt und die diese wunderbare Schafsherde hat, hat kurzerhand für uns eine ganz besondere Leckerei zubereitet: eine dicke Karotten-Kartoffelsuppe mit gesalzenem Hammelfleisch, sehr sehr lecker.
Da das Wetter zwar jeden Tag besser wird, aber immer noch Regen dazwischenfunkt, wurde ein Picknick, das zu jeder Tour gehört,  kurzerhand in unseren Frühstücksraum verlegt.

Picknick im B&B

Picknick im B&B

Andy Ross las kurze Texte in shetländischem Dialekt vor und Heinz gab dazu kurze Posaunen-Intermezzi. Ein lustiger, animierter Abend.

Und morgen ist schon der letzte Tag dieser Tour. Auf dem Programm steht eine Fahrt zu den Klippen von Eshaness und auf die Insel Burra, und dann ein Abschlußmahl im Scalloway Hotel in Scalloway. Ich hoffe, ich lasse mich morgen nicht zum Kauf eines der drolligen Burra-Bears verleiten… mal sehen.

Die verstrickte Dienstagsfrage 28/2014

Die Dienstagsfrage vom 8. Juli 2014:

Hattet Ihr in Zusammenhang mit Eurem Hobby schon mal ein negatives Erlebnis?

Musstet Ihr Euch vielleicht dumme Sprüche oder abfällige Bemerkungen anhören?
Oder hattet Ihr schon mal Streit mit dem Partner wegen Eurer Wollkäufe oder weil Ihr Euch mehr mit dem Strickzeug als mit ihm beschäftigt?
Wart Ihr womöglich in einen Zickenkrieg unter Wollweibern verwickelt?
Habt Ihr eventuell sogar schon Verletzungen oder andere negative gesundheitliche Folgen -verursacht durch Euer Hobby- erleiden müssen?

Und wenn ja, wie seid Ihr mit der Situation umgegangen?

Diese Frage kommt meinem Fragenvorschlag für eine der nächsten Runden recht nahe. Ich wollte nämlich fragen, weshalb bei der Präsentation fertiger Strickteile, und seien sie noch so scheußlich, nur höchstes Lob erwartet wird und Kritik oder Anmerkungen, daß dies eben nicht gefalle oder gar schauderbar sei, absolut fehlt am Platz ist und entsprechend weggebissen wird.

Ich bin bekannt für direkte Worte und ich halte nichts von „naja, jeder hat so seinen Geschmack„… damit wird nämlich jede Diskussion unter den Tisch gekehrt / vermieden / abgewürgt. Es ist eben nicht jedes geschmackvoll. Manches ist einfach furchtbar grauslig.

Ich frage mich, warum in manchen Foren (Ravelry oder auch bei Google+ und sonstwo) Strickstücke präsentiert werden und um Kommentare gebeten wird, wenn nur positive Antworten und Freudenschreie mental verarbeitet werden können? Dass man auf das, was man geschaffen hat, stolz ist, ist selbstverständlich.

Wenn aber die 50.te selbstmusternde, augentötende Socke vorgestellt wird, darf man dann nicht mal nachfragen, ob es nicht langsam genug sei, darf man keinen Vorschlag machen, vielleicht mal was anderes zu stricken?

Ich sehe da eine eigenartige Mischung aus Stolz, Selbstüberschätzung und Empfindlichkeit, und das zusammen ist keine gute Mischung.  Erstaunlicherweise herrscht da oft eine uneingestandene Solidarität, wer kritisch fragt oder anmerkt, wird von allen Seiten verbal angegriffen.

Ich kritisiere aber nicht nur. Ich ermuntere auch. Aber auch das kommt nicht gut an. Wie neulich in einem Ravelry-Forum, als eine unsichere Strickerin bei gefühlt jeder 2. Reihe (einer  recht einfachen Anleitung) im Forum nachfragte, wie sie denn nun dies stricken solle oder jenes. Sie schaffte es, einen Thread von rund 50 Posts loszutreten. Mein Rat, doch einfach mal zu probieren und wenn es nicht gelingt, zu ribbeln, macht doch nichts, hat doch jeder mal so angefangen, kam gar nicht gut an. Ich wurde angegiftet. Die Fragende hat sich wohl den Wind aus den Segeln nehmen lassen, jedenfalls habe ich von ihr nichts mehr gelesen. Oder sie ist mutiger geworden…

Ja was denn nun? Müssen wir in einer Eiteitei-Welt leben, ist alles niedlich und wunderschön? Darf man nicht kritisieren oder Vorschläge machen? Darf man, wenn aufgefordert, nicht seine Meinung sagen? Muß denn immer alles so verdruckst sein?

Wir sind doch autonome, selbständige Menschen (das ist jedenfalls meine Vorstellung), die die Welt (mit-)gestalten und sich in der Welt behaupten. Muß man da so engherzig, kleingeistig und verdruckst sein?

Da freue ich mich über meine Wollfreundin, den Wollfrosch.

Begeisterungsschreie, Gedanken, Ideen, Lob, Trost, Gemecker, Nörgelei – alles das passt und darf hier rein! Ich freue mich auf Eure Kommentare!

Auf ihrer Seite  (ein Beispiel für Sockenkritik) herrscht ein anderes Klima. In den Kommentaren wird gelobt, kritisiert, werden Vorschläge gemacht, In einem freundlichen, herzlichen Ton, es wird nicht rumgezickt.

Die Bilder in dieser kleinen Galerie verdeutlichen was ich meine und zeigen auch, wo ich dann doch nicht kommentiert habe ;=)

 

 PS: Nachtrag:

da hab ich doch ein gutes Beispiel für die „AllenWohlUndNiemandWeh“-Mentalität gefunden. Zugegeben, der Kommentar war kurz und prägnant. Aber „Scheisse“ ist doch heute genauso wie „geil“ ein Allerweltswort geworden, hat also nicht mehr den „Schimpf-Wert“ wie früher, als wir noch unartig waren …

Kommentar-Kultur

Screenshot: Kommentarkultur

Kleiner Kranz

Kleiner Kranz

um diesen Adventskranz geht es hier (Bild aus der Google-Bildersuche) und Suchargument war übrigens „gestrickte scheisse“ , hihi ;=)

die verstrickte Dienstagsfrage 21/2014

Habt Ihr schon einmal eine „Strickkreuzfahrt“ oder einen „Strickurlaub“ gemacht, Euch mit strickenden Freund(inn)en eine Ferienwohnung irgendwo gemietet und tagelang nur Eurem Hobby gefrönt?
Wenn ja, wie war es, wo war es und würdet Ihr das nochmal machen? Oder findet Ihr das nicht erstrebenswert?
Wenn das so ist, warum?
Vielen Dank an Daniela für die heutige Frage!

Ich sehe in den amerikanischen Strickheften oft Reisebüro-Werbung für Strickreisen oder ich lese die Kreuzfahrt-Texte von Franklin Habit, der sich für so einen Trip auch schon mal  Gentleman’s Bathing Drawers nach einer Weldons-Anleitung von wohl so 1880 strickt. Franklin Habits Badehose

Ich freue mich, wenn ich sehe, daß Galina Khmeleva immer wieder Strickreisen nach Orenburg in Russland organisieren und anscheinend davon gut leben kann, daß Reisen zu Knitting Conventions organisiert werden, und dann stelle ich fest, daß diese „Reise-Kultur“ bei uns in Europa, zumindest in Deutschland, noch nicht so üblich ist.

Ich hatte schon mal vor, an der Ostpreussischen Werkwoche teilzunehmen, weil mich die dort gelehrte Technik des Doppelstrickens interessiert, aber das hat dann aus vielerlei Gründen nicht geklappt. was mich heute noch ärgert.

Und ich ärgere mich, daß ich manchmal zu doof bin, nach rechts und links zu schauen und Chancen wahrzunehmen.  Wieso?

Nun, ich fliege im Juni für ein paar Tage nach Litauen, beruflich, mit Umstieg in Riga. Und ich verschussel es, in Riga eine Pause einzulegen. Mittsommernacht, Europäische Kulturhauptstadt, und die Woll-Traditionen… auf welchem Schlauch habe ich da gestanden? Jetzt kann ich das Ticket nicht mehr umbuchen.

Ich hätte mir die wunderbaren Wollgeschäfte anschauen können, z.B. in der Alten Tabakfabrik,  oder den schönen Laden Hobbywool  aufsuchen…

Screenshot Hobbywool, Riga

die haben so eine schöne Webseite, leider fehlt ab und an etwas Inhalt, ich hätte doch gerne mehr Garne gesehen…

Was war nochmal die Frage? Ach so, nun mit Freundinnen verreisen, ist ok, aber meine Freundinnen stricken nicht, auf ein Kreuzfahrtschiff kriegen mich keine 10 Esel, zu einer Knitting Concention würde ich gerne reisen, nach Riga fahre ich dann eben auch ohne Anlaß hin, eine Textilkunst-Ausstellung würde ich gerne mal aufsuchen, ich werde eine Ravelry-Freundin in Berlin besuchen, die mir Steeking beibringen möchte und die Idee, mit Regina / Wollfrosch mal einen Kaffeeplausch zu halten, habe ich auch schon eine Weile..

was also ist mein Fazit? Ich fahre oder führe gerne zu einer Ausstellung, ich verabrede mich zu „Woll-Terminen“ auch mal, aber so eine Reise würde ich nicht machen.

 

Die verstrickte Dienstagsfrage 7/2014

Im Zeichen der Entschleunigung trage ich doch meine Antwort auf die gestrige Verstrickte Dienstagsfrage des Wollschafes nach, dann ist der Mittwoch eben mal ein Dienstag…

Der Satz: „DAS geht ja mal gar nicht…“, der fällt ja auch unter StrickerINNEn, auch wenn wir ja aonst ein tolerantes  Völkchen sind.
Was habt Ihr denn so als absolutes  NO GO in Sachen Maschenwerk?
Habt Ihr eine Abneigung dagegen, Kaffeehausgardinen zu häkeln oder die berühmte Klorollenhülle?
Würdet Ihr NIEMALS auf den Wahnsinn verfallen, Socken zu stricken?
Hat sich da was in Vorlieben und Abneigungen geändert?
Vielen Dank an Daniela für die heutige Frage!

Hund für den Kopfich stolpere bei Ravelry und anderswo doch ab und an über wirkliche Scheußlichkeiten. Und manchmal habe ich ja auch in der Wockensolle darüber geschrieben / gelästert / polemisiert.

Hier kurz eine Liste, nicht gewichtet, so wie es mir in den Kopf kommt:

Für mich geht gar nicht:

  • arme Straßenschilder etc. mit knallbuntem, nichtverrottendem Acrylgestricke zu belästigen
  • arme Kinder mit Tiermützen dem Gespött auszusetzen
  • mich selbst mit Tiermützen zu infantilisieren
  • neckische Hüllen für eines meiner Ebook-Reader, Tabletten, Mobiltelefone etc. zu häkeln
  • wunderschöne und mühevoll gestrickte Mehrfarben-Strickmuster durch selbstmusterndes Garn unkenntlich zu machen, dito Zopfmuster in selbstmusternden Garnen verschwinden zu lassen
  • Schnellschnell-Gestricke mit Monstergarnen und Monsternadeln (Größe 12 und aufwärts) für das schnelle FastStrick-Ergebnis
  • da gäbs sicherlich noch mehr..